Wir ziehen zusammen – gute Gründe fürs Heiraten

Wir ziehen zusammen – gute Gründe fürs Heiraten

Wir ziehen zusammen – gute Gründe fürs Heiraten
• Wir wollen uns besser kennen lernen.
• Wir wollen prüfen, ob wir zueinander passen.
• Wir wollen nicht nur Sonntag, sondern auch Alltag mit-einander (er-)leben.
• Wir wollen uns vergewissern, ob es mit uns beiden gut geht.
• Wir wollen uns erst für die Ehe entscheiden, wenn wir uns unserer Sache sicher sind.
• Wir wollen nicht, dass bei einer Trennung schmutzige Wäsche gewaschen wird.
• Wir wollen, dass unsere Liebe lebendig bleibt.
• Wir wollen uns Zeit lassen mit unserer Entscheidung.
• Wir wollen erst eine Perspektive für eine gemeinsame Zukunft sehen.
• Wir wollen uns gegenseitig Freiheit und Freiräume lassen.
• Wir wollen …

Vielschichtige Beweggründe, vielfältige Begründungen! So ohne weiteres sind sie nicht von der Hand zu weisen. Gesellschaftliche Entwicklungen und Bedingungen spielen ebenso eine Rolle wie lebensgeschichtliche Daten und persönliche Lebensläufe. Wenn Ehe heute vielen jungen Leuten so gefährdet und zerbrechlich, so wagnisreich und risikobeladen, aber auch so anfordernd und anspruchsvoll erscheint, dann sind die Argumente, mit denen sie ihr Zusammenleben vor der Ehe begründen, durchaus einleuchtend und nach-vollziehbar. Für den weitaus größten Teil der jungen Paare bedeutet ihr Zusammenziehen keine oberflächliche Episode, keine Eintagsfliege, sondern eine ernst gemeinte Bindung mit einem relativ hohen Maß an Verbindlichkeit. Eine solche Haltung ist dann eher als Zeichen wechselseitiger Verantwortung zu bewerten denn als Bindungsunwilligkeit oder Bindungsscheu. In den meisten Beziehungen sind Verlässlichkeit und Treue, Redlichkeit und Aufrichtigkeit im Umgang miteinander, Vertrauen und Verständnis füreinander die gemeinsame Basis des Miteinanders. Es werden also durchweg Werte gelebt, die einer Ehe entsprechen. Eine solche Grundhaltung muss dann auch bei der ethischen Bewertung berücksichtigt werden.

Junge Paare suchen verbindliche Bindungen, ja sie sehnen sie geradezu herbei in einem Lebensumfeld voller Unverbindlichkeiten. Aber ihre Beziehungen nehmen andere Grundzüge an: weniger äußere Verpflichtungen oder soziale Zwänge, mehr innere Verbindlichkeiten und persönliche Verantwortlichkeiten. Sie sind viel stärker auf freie Akzeptanz ausgerichtet, schließen dabei ein hohes Maß an Selbstverpflichtung ein. Weit mehr als frühere Generationen fragen junge Leute nach der Tragfähigkeit und Beständigkeit ihrer Liebesbeziehungen. Geht das überhaupt, sich ein Leben lang an einen Menschen zu binden?

Liebe
Ein frisch verheiratetes Paar sagte: Was sollen wir tun, damit unsere Liebe von Dauer ist? Sagte der Meister: Liebt gemeinsam andere Dinge.
Anthony de Mello

Es ist schon interessant: Obwohl die Ehe in ihrer unwiderruflichen und damit auf Dauer angelegten Solidarität wohl die Lebensgemeinschaft schlechthin ist, wird der Begriff Lebensgemeinschaft im allgemeinen Sprachgebrauch bevorzugt für nichteheliche Beziehungen verwendet. Das verweist – bei aller Verschiedenheit – wiederum auf Gemeinsamkeiten und in gewisser Weise auch auf Gleichwertigkeiten. Hier wie dort gibt es Hoffnung auf zuverlässiges Leben miteinander; hier wie dort äußert sich die Sorge um das Gelingen der Beziehung. Verheiratete wie Unverheiratete stellen gleichermaßen hohe Ansprüche an die Qualität ihrer Partnerschaft. Bei beiden gibt es eine überraschend hohe Übereinstimmung in ihren Einstellungen zu bestimmten Werten und Werthaltungen; in beiden Lebensformen sind in gleicher Weise Unzulänglichkeiten oder gar Verstöße gegen diese Grundprinzipien auszumachen. So sind unter den unverheirateten Paaren nicht wenige anzutreffen, die ihre Verbindung als für das ganze Leben eingegangen ansehen, während zunehmend mehr Eheleute in dem Bewusstsein leben, sich jederzeit trennen zu können, weil ihre Ehe vor dem staatlichen Gesetz geschieden werden kann.

Die oft einseitige Idealisierung der Ehe hat vielerorts zur vorschnellen Diskriminierung anderer Lebensformen geführt. Die Vielfalt der heutigen Beziehungsformen kann auch als Ausdruck einer Suchbewegung nach verlässlichem Leben gedeutet werden. Wer bestimmte Lebensformen von vornherein missachtet und zu diskreditieren versucht, fällt als Gesprächspartner für die betroffenen Menschen aus. Das gilt gleichermaßen für Eltern wie Großeltern, Pädagogen wie Seelsorger.

Junge Menschen lassen sich die Art und Weise ihres Zusammenlebens nicht mehr vorschreiben. Sie reagieren empfindlich, wenn die von ihnen gewählte Lebensform abqualifiziert wird. Weder moralische Appelle noch verschärfte Sanktionen sind angebracht. Nicht Besserwisser, schon gar nicht Moralapostel sind gefragt, sondern kritische Begleiter, die Verständnis zeigen für die Sehnsucht junger Menschen nach einem (Zusammen-)Leben in Freiheit und Bindung und die sie bei ihrer Suche nach der ihnen angemessenen Lebensform wohlwollend, aber auch kritisch nachfragend unterstützen.

Rudern zwei ein Boot, der eine
kundig der Sterne,
der andre
kundig der stürme,
wird der eine
führn durch die Sterne,
wird der andere
führn durch die stürme,
und am Ende ganz am ende
wird das Meer in der Erinnerung
blau sein