Widersprüchliche Erfahrungen Sexualität kann beglücken – Gründe fürs Heiraten

Widersprüchliche Erfahrungen Sexualität kann beglücken – Gründe fürs Heiraten

Widersprüchliche Erfahrungen Sexualität kann beglücken – Gründe fürs Heiraten
Sexualität kann beglücken, erfüllen, beseligen, Menschen vereinen; Sexualität kann aber auch ängstigen, demütigen, vergewaltigen, Menschen entzweien. Genau diese widersprüchlichen Erfahrungen machen heute sehr viele Menschen.

Zum einen sehnen sie sich, ja sie hungern geradezu nach menschlicher Nähe, Wärme, Zuwendung, Fürsorglichkeit und Annahme und wollen diese ihre Sehnsucht über ihren Körper, über all ihre Sinne zur Sprache bringen. In der Körpersprache der Liebe sagen sie einander: Du bist mir wichtig, du bedeutest mir mehr als alle anderen und als alles andere in der Welt. Sexualität in diesem Sinne meint den ganzen Menschen.

Diese positive Sichtweise hat zu einer größeren Offenheit und zu einer natürlicheren und unbefangeneren Einstellung zu Körperlichkeit und Sexualität geführt. Die Sensibilität für diesen intimsten Bereich menschlicher Beziehungen ist spür-bar gewachsen, nicht zuletzt aufgrund persönlicher Erfahrungen von Verletzlichkeit und Verwundbarkeit. Insgesamt sind die Liebes- und Sexualbeziehungen heute insgesamt humaner geworden, menschengerechter: Sie werden den Hoffnungen, Sehnsüchten, Erwartungen der Menschen eher gerecht. Sexualität, so gelebt, entspricht dem Wesen des Menschen und seiner personalen Würde.

Zum anderen erleben die Menschen aber auch und gerade im Bereich der Sexualität mitunter eine Bedrohung und Gefährdung durch anderslaufende Interessen und Absichten. Sie spüren buchstäblich am eigenen Leib, dass weniger sie selbst als Person gemeint sind, sondern allein ihre körperlichen Reize oder ihr jugendliches Aussehen faszinieren. Vordergründiges Haben-Wollen und einseitiges Besitzergreifen lassen Sexualität sich abkoppeln von den umfassenden Lebenshoffnungen der Menschen.

Wie du solltest geküsset sein (nach einem Titel von Paul Fleming)
Wenn ich dich küsse
ist es nicht nur dein Mund
nicht nur dein Nabel
nicht nur dein Schoss
den ich küsse
Ich küsse auch deine Fragen
und deine Wünsche
ich küsse dein Nachdenken
deine Zweifel
und deinen Mut
deine Liebe zu mir
und eine Freiheit von mir
deinen Fuß
der hergekommen ist
und der wieder fortgeht
ich küsse dich
wie du bist
und wie du sein wirst
morgen und später
und wenn meine Zeit vorbei ist
Erich Fried

Die negativen Auswüchse einer Trennung von Sexualität und Liebe sind erschreckend und bedrückend. Sie gehen meist auf Kosten der Frau und in jüngster Zeit zunehmend auch zulasten von Kindern aller Altersstufen. Sie und ihr Körper werden zur käuflichen Ware. Sexuelle Gewalt hat ein mehr als Besorgnis erregendes Ausmaß angenommen, auch in der Privatsphäre der Menschen. So ist Vergewaltigung in der Ehe zu einem neuen Straftatbestand geworden.
Trotz Enttabuisierung, Kommerzialisierung, Konsumismus und mitunter auch einer erschreckenden Brutalisierung der Sexualität: Zu einer radikalen Entkoppelung von Liebe,
Treue und Sexualität ist es unter der jungen Generation nicht gekommen. Unbestritten sind neue Probleme entstanden, oft alte Probleme in neuem Gewand. Es scheint, als würden diese eher die Älteren betreffen als die Jüngeren.

Die Freisetzung aus einer rigiden Sexualmoral hat wesentlich zur Bereicherung des sexuellen (Er-)Lebens geführt. Viel ungezwungener und unverkrampfter können junge Menschen heute mit ihrer Sexualität umgehen. Das schafft ein weites Betätigungsfeld lustvoller und sinnenfreudiger Erfahrungen unter den Liebenden. Sexualität ist nicht länger eine geheimnisumwobene, Respekt einfordernde, oft auch Angst auslösende Macht. Vielmehr setzt sie ein kreatives Kräfte-potential frei, das entscheidend zum Gelingen menschlicher Liebesbeziehungen beiträgt.

In diesem Sinne hat die Sexualität aus der Abwertung früherer Zeiten zu einer Aufwertung gefunden, die ihr entspricht: Sexualität ist eine gute Sache. Christen können diese Einschätzung noch vertiefend begründen, wenn sie darauf verweisen, dass Sexualität eine gute Gabe des Schöpfergottes ist.