Wagnis Ehe widersprüchliche Einschätzung zur Lage der Ehe

Wagnis Ehe widersprüchliche Einschätzung zur Lage der Ehe

Wagnis Ehe widersprüchliche Einschätzung zur Lage der Ehe
Die widersprüchliche Einschätzung zur aktuellen Lage der Ehe lässt sich mit dem bekannten Bild vom zur Hälfte gefüllten Glas wiedergeben: Ist das Glas halb voll – oder ist es halb leer? Die Optimisten stellen fest, dass immerhin weit über die Hälfte aller Ehen gelingt und die Eheleute unter erschwerten Bedingungen und über einen so langen Zeitraum wie niemals zuvor zusammenbleiben. Die Pessimisten dagegen verweisen darauf, dass mittlerweile fast jede zweite Ehe – vor allem in den Großstädten – zerbricht oder akut gefährdet ist. Beide Seiten stimmen jedoch darin überein, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung und Bewertung, dass es heute schwieriger, anfordernder und anspruchsvoller geworden ist, in Ehe und Familie zu leben.

Der Verlust früherer Stützen wie die Einbindung in einen größeren Familienverband oder die Zustimmung und Absicherung durch das gesellschaftliche Umfeld verweist die Eheleute stärker auf sich selbst und beansprucht sie weit mehr als in früheren Zeiten. Mit den Optimisten kann wohl gesagt werden: Es ist schon erstaunlich, dass immer noch eine so große Anzahl von Ehen gelingt – und das bei ständig gestiegenen und noch steigenden Ansprüchen an die Eheleute.

Bildquelle 2trauringe-gold.de

• So sind die Eheleute heute aufgefordert, die neu gewonnenen Freiräume ihrer Ehe den eigenen Vorstellungen und Erwartungen entsprechend auszufüllen. Für eine situations- und zeitgemäße Rollen- und Funktionsverteilung sind weniger geschlechtsspezifische Kriterien, sondern mehr persönliche Befähigungen sowie individuelle Kenntnisse und Fertigkeiten ausschlaggebend. Es bedarf der Aussprache und der Übereinkunft in vielen (alltäglichen) Entscheidungen, die früher durch Vorgaben und Zuweisungen vorab entschieden waren und deshalb nicht zur Verhandlung anstanden. Den Eheleuten schreibt heute niemand mehr vor, wie sie ihre Ehe zu leben haben. Im Gegenteil: Sie können ihrer Ehegeschichte eine ganz individuelle Handschrift geben. Darin hegt die einzigartige Chance heutiger Ehen, aber zugleich auch ihre Gefährdung. Nicht alle Ehepaare werden diesem hohen Anspruch gerecht, nicht wenige sind dadurch völlig überfordert.

• Am Anfang einer Wagnis Ehe stehen oft zwei Ehebilder, die Mann und Frau aufgrund ihrer oft unterschiedlichen Erfahrungen mit den Ehen ihrer Eltern oder Geschwister verinnerlicht haben. Darin spiegeln sich auch ihre je eigenen Lebensansichten, Wertauffassungen und Weltanschauungen wider. Junge Ehepaare können nicht mehr so ohne weiteres davon ausgehen, dass sie in grundsätzlichen Lebensfragen übereinstimmen. Sie sind vielmehr gezwungen, sich über einen gemeinsamen Lebenskonsens zu verständigen und die Grundlagen für ein Leben zu zweit zu schaffen. Die wechselseitige Respektierung ihrer individuellen Lebensläufe, Lebensumstände und Lebenserfahrungen wiederum verlangt ein hohes Maß an Verständnis und Toleranz, an Geduld und Rücksichtnahme.

• Die eher privaten Lebensräume wie Freundschaft und Liebe, Wagnis Ehe und Familie, erhalten für die jungen Leute einen zunehmend höheren Stellenwert. Was ihnen vielerorts in den mehr öffentlichen Lebensbereichen – Schule, Ausbildung, Beruf, Freizeit, Politik – an Lebensperspektive, Lebenssinn und Lebenshoffnung versagt bleibt, suchen sie umso dringlicher in der kleinen Lebenswelt überschaubarer Beziehungen. Die emotionale Bindung an den Partner bzw. die Partnerin wird als Gegenpol zu den weithin rationalen, mitunter auch oberflächlichen Beziehungen im öffentlichen Leben angesehen. Gerade junge Leute verlangen voneinander großen persönlichen Einsatz: ihre idealisierten Vorstellungen von einer Liebesehe können zu meist unerfüllbaren Erwartungen führen, so- dass sich schon sehr bald eine Kluft zwischen dem Idealbild einer Ehe und dem Realbild ihrer Wagnis Ehe auftut. Kommt es in den ersten Ehejahren nicht zu notwendigen Brückenschlägen und damit zur Versöhnung beider Ehebilder, können die Differenzen mit der Zeit unüberbrückbar werden. Die wachsende Zahl an Scheidungen bis zum 5. Ehejahr ist die Folge maßloser Enttäuschungen.

• Wer heute heiratet, verspricht sich seinem Partner, seiner Partnerin für den Zeitraum eines halben Jahrhunderts. Die Ehedauer beträgt trotz späteren Heiratsalters etwa 40 bis 50 Jahre. Aufgrund der gestiegenen und noch steigenden Lebenserwartung hat sich die Zeitspanne der Ehe in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. Die jetzige Ehegeneration kann erstmalig miteinander alt werden. Nicht mehr der leibliche Tod eines Partners, sondern der soziale Tod der Beziehung führt zur Trennung. Die lange Ehedauer fordert zur ständigen Erneuerung der Beziehung heraus. Liebe und Treue wollen, ja müssen ein ganzes Leben lang positiv und kreativ gestaltet sein. Das wiederum verlangt viel Fantasie und Ideenreichtum, schöpferische Willenskraft und beharrliche Beständigkeit. Und das alles in einer Gesellschaft, die in ihrem Denken und Handeln auf Kurzfristigkeit und Schnelllebigkeit ausgerichtet ist und gerade in jüngster Zeit durch ständige Kündbarkeit eingegangener Verpflichtungen von sich reden macht. Wen darf es da wundern, wenn die Vorstellung schwindet, dass eine Wagnis Ehe bis zum Tode hält. Wer in die Ehe einwillige, so mahnte einst der Philosoph Friedrich Nietzsche, müsse sich selbst ernsthaft befragen lassen: Glaubst du, dich mit dieser Frau bis ins hohe Alter hinein gut zu unterhalten? Ehe ist heute – vor allem für junge Leute – mehr denn je Wagnis, Risiko und in gewisser Weise Abenteuer. Wer heiratet, wagt sich, riskiert sich, mutet sich einiges zu.

Am Beginn einer Wagnis Ehe steht die Trennung. Wer heiratet, traut sich – im Doppelsinn des Wortes! Dieses Trauen drückt sich in der Ambivalenz von Hoffnungen und Ängsten aus: Einerseits hoffen junge Paare nach wie vor auf ein gutes Gelingen ihrer Ehe, andererseits befürchten sie zunehmend das Scheitern ihrer Beziehung. Zu viele Ehen in ihrem unmittelbaren Umfeld haben sie als zerbrochen oder gefährdet erlebt, als dass sie völlig unbeschwert, unbefangen oder gar unbekümmert die Ehe eingehen können. Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Zuversicht und Zweifel: So lässt sich wohl zutreffend die Situation vieler junger Paare – oft noch unmittelbar vor der Eheschließung – beschreiben. Eine letzte Vergewisserung kann niemand erlangen, ebenso wenig eine risikofreie Absicherung – und das alles in einer Zeit, die sich gegen alle Wechselfälle des Lebens zu versichern weiß.

Die Materiale und die Bilder für diesen Artikel zum Thema Wagnis Ehe wurden bekommen dank der Kollegen von 2trauringe-gold.de