Verlässlichkeit in der Beziehung Traumpartner und treu sein

Verlässlichkeit in der Beziehung Traumpartner und treu sein

Verlässlichkeit in der Beziehung Traumpartner und treu sein
In der Wertehiercharie junger Leute stehen Verlässlichkeit, Treue, Vertrauen ganz oben – das sind buchstäblich Spitzenwerte. Albert Schweitzer hat diese Werte einmal das größte Betriebskapital genannt. Sie sind eine Investition, die sich lohnt. Ohne sie kann keine menschliche Beziehung existieren. Sie sind das Bindemittel in allen sozialen Lebensbereichen.

Der Wunsch, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen, ihm in vertrauter Nähe verbunden zu sein, sich auf ihn absolut verlassen zu können, auf seine Treue zu bauen, steckt wohl in jedem Menschen. Die eher privaten Beziehungen sind bevorzugte Orte, in die blindlings das größte Vertrauen gesetzt wird. Hier zeigen wir uns ungeschminkt, demaskiert, entblößt; hier präsentieren wir uns in all unserer Schwäche und Verkümmerung. Sich auf einen anderen Menschen verlassen können, heißt auch immer, sich selbst verlassen zu können: sich öffnen, sich auf-machen, aus sich herauskommen, sein Schneckenhaus aufbrechen, sich riskieren, sich ausliefern. Wir können uns loslassen und uns ganz dem Partner bzw. der Partnerin überlassen, weil wir uns aufeinander verlassen können. Mehr denn je suchen wir in Zeiten ständigen Wechsels verlässliche Menschen, verlässliche Beziehungen, verlässliches Leben.

Traumpartner soll treu sein
Bei der Suche nach dem Traumpartner sind den Deutschen Treue, Zärtlichkeit und Zuverlässigkeit wichtiger als ein voller Busen oder breite Schultern. 94 Prozent der Frauen erwarten nach einer Umfrage von ihrem Traummann Zärtlichkeit, 92 Prozent wollen Zuverlässigkeit. Bei den Wünschen der Männer an ihre Traumfrau steht Treue mit 90 Prozent an der Spitze. An zweiter Stelle kommt Zärtlichkeit (85 Prozent).

In unseren alltäglichen Beziehungen machen wir oft gegen-teilige Erfahrungen. Wir erleben eher Misstrauen statt Vertrauen, eher Verschlossenheit statt Offenheit, eher Unzuverlässigkeit statt Verlässlichkeit. Da halten wir uns bedeckt, machen uns zu, verstecken uns und unsere Gefühle hinter einer Maske, geben so schnell nichts von uns preis. Die vertrauensbildenden Maßnahmen, die mehr oder weniger in allen Lebensbereichen inszeniert werden, sind Beleg genug, wie es um Vertrauen und Verlässlichkeit in unserer Gesellschaft bestellt ist. Gesundes Misstrauen ist angesagt und weit verbreitet. Man darf sich heute nicht allzu vertrauensselig geben, will man sich nicht bald von allen hintergangen fühlen.

Verlässlichkeit, Treue, Vertrauen lassen sich weder ein-fordern noch sind sie einklagbar. Wie die Liebe sind sie Gabe und Aufgabe. Vertrauensbeziehungen lassen sich nicht durch Forderungen anbahnen, meint der Soziologe Niklas Luhmann, sondern nur durch Vorleistung – dadurch, dass der Initiator selbst Vertrauen schenkt… Für den Vertrauenden ist seine Verwundbarkeit das Instrument, mit dem er eine Vertrauensbeziehung in Gang bringt. Verlässlichkeit und Treue, Vertrauen und Zutrauen sind ebenso wenig selbstverständlich wie sicher. Sie entstehen, wachsen, entwickeln und vertiefen sich, sie können aber auch verloren gehen und zerstört werden. Auf keinen Fall dürfen sie leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Du kannst dich auf mich verlassen – das ist unsere Antwort auf den Vertrauensvorschuss des Partners. Bis es zu einer solchen vertrauensvollen Aussage kommt, bedarf es vielfältiger Vertrauenserweise. Man prüft zunächst, wem man da traut. Blindes Vertrauen steht nicht am Anfang einer Beziehung. Sich trauen heißt immer auch sich wagen und sich riskieren – ein Vorgang mit ungewissem Ausgang. Vertrauensfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit bedingen einander. Beides muss gegeben sein, wenn man sich in die Hand eines anderen Menschen begibt.

Paare, die heiraten, sprechen sich dieses Vertrauen zu. Sie versprechen sich verlässliches Leben in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Treue – so deutet es die sprachliche Herkunft – hat etwas mit baumstarker Zuversicht zu tun: es leitet sich ab vom indogermanischen dreaw(o), d.h. Baum. Menschen, die einander zeitlebens die Treue versprechen, erhoffen sich etwas von dieser baumstarken, unerschütterlichen Verlässlichkeit für ihre Ehe. Sie glauben fest und stark an ihren Partner und bauen zuversichtlich auf die eigene Treue und auf die Treue des anderen. Der Baum steht als Sinnbild für ihre Treue: tief verwurzelt, stämmig im Wuchs, füllig im Laubwerk, zur rechten Zeit Früchte bringend.

Christliche Eheleute können im Vertrauen miteinander leben, dass Gott selbst seine Treue zugesagt und sich als verlässlicher Wegbegleiter durch alle Zeiten ausgewiesen hat. Das menschliche Stückwerk Treue – zerbrechlich, gefährdet, bedroht – ist gut aufgehoben in Gottes Treue zu den Menschen. Die baumstarke Zuversicht auf Verlässlichkeit, Vertrauen und Treue findet in ihm ihren letzten Grund.

Das Wort ist verstehbar.
Wer Ja sagt, meint Ja,
und ich liebe bedeutet:
jetzt und für ewig.
Rudolf Otto Wiemer