Single zu sein bedeutet nicht gleich Single – heiraten oder nicht

Single zu sein bedeutet nicht gleich Single – heiraten oder nicht

Single zu sein bedeutet nicht gleich Single – heiraten oder nicht
So vielfältig und bunt sich das Leben in Beziehungen gestaltet – ob in Ehe, eheähnlichen Beziehungen oder Freund- und Partnerschaften -, so unterschiedlich und farbig gibt sich auch das Single-Dasein. Der Single als leidenschaftlicher Befürworter einer dauerhaften, exklusiven Solo-Existenz gehört zur absoluten Minderheit. Nach neuesten Untersuchungen liegt sein Anteil bei rund drei Prozent. Der eingefleischte Single ist eher ein Einzelfall – Single unter Singles.

Die Singles in Zahlen
• 1/3 aller Haushalte in Deutschland sind Einpersonenhaushalte; in Großstädten bereits die Hälfte.
• 1/6 der Bevölkerung (rund 13 Millionen) lebt allein; über 65 Jahre: über 5 Mill. (= 39%)

unter 35 Jahre: rund 3,5 Mill. (= 28%)

  Insgesamt in % Alters­gruppe bis 29 Jahre Alters­

gruppe

30-49

Jahre

Alters­gruppe 50 Jahre u. älter
Männer 46 56 56 23
Frauen 54 44 44 77
Berufe        
Schüler/Studenten 29 54 4 _
Rentner 24 2 78
Erwerbstätige: 43 43 82 19
Arbeiter 24 28 24 25
Angestellte 58 60 57 58
Beamte 7 6 7 7
Selbstständige 10 6 12 10
Schulbildung        
Hauptschule 36 19 29 60
mittlerer Abschluss 31 37 35 23
Abitur o. Studium 33 44 36 17
Einkommen        
unter 2.500 € 49 36 44 68
2.500 – 4.500 € 33 33 43 25
4.500 – 6.500 € 12 19 10 4
über 6.500 € 6 12 3 3
Konfession        
evangelisch 38 35 32 46
katholisch 34 36 31 32
sonstige 3 5 2 1
keine 25 24 35 21
Quelle: Forsa-Recherche für die WAZ (38.000 befragte Singles)

 
Die meisten Singles sehen ihr Alleinleben als eine vorübergehende Lebensphase an, als Übergangsphase etwa zwischen der Ablösung von der Herkunftsfamilie und der Gründung einer eigenen Familie oder zwischen einer gescheiterten Ehe und einer neuen Partnerschaft. Ihr Single-Dasein verstehen sie keineswegs als bewusste Alternative zur Lebensform Ehe oder einer anderen Beziehung. Im Gegenteil: Der größte Teil (85 Prozent) sucht einen Partner bzw. eine Partnerin und damit eine (neue) Verbindung. Ihre Single-Existenz entspricht eher ihrer momentanen Lebenssituation. Das bedeutet nichts Außergewöhnliches, denn die meisten Menschen leben gelegentlich, wenn auch nur vorübergehend, allein. Unter den Alleinlebenden wiederum gibt es eine wachsende Zahl die in stabilen Partnerschaften lebt, allerdings in getrennten Haushalten (living apart together).

Fast die Hälfte aller befragten Singles gibt als Grund für ihr Alleinleben an, den richtigen Partner noch nicht (wieder) gefunden zu haben. Den Traum von der großen Liebe haben auch Singles noch nicht ausgeträumt.

Warum bleiben Menschen allein?
den richtigen Partner noch nicht gefunden 46,6%
gescheiterte Ehe / Beziehung(en) 37,0%
es ist schwer, sich zu arrangieren 20,2%
feste Partnerschaft engt ein 17,9%
zu wenig Zeit für sich 7 7,0%
wechselnde Partner geben mehr 8,7%
andere Ehen schrecken ab 8,3%
aus Überzeugung 7,7%
wegen Karriere / begrenzte Zeit 6,6%
wollen überhaupt keine Beziehung 4,7%
Beruf ist das Leben 2,6%
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Freizeit-Forschung, Bonn 1995

Wenn konkrete und verbindliche Partner-Entscheidungen anstehen, sehen sich Singles vor die Qual der Wahl gestellt: Auf der einen Seite vermeintliche Plus-Punkte wie Freiheit und Freiraum, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, größere Freizügigkeit bei der Wahl der sozialen Kontakt- und Begegnungsfelder und weniger Einschränkung und Eingriffe durch Konventionen und Traditionen; auf der anderen Seite Minus-Punkte wie mangelnde Geborgenheit und Vertrautheit, fehlende Zugehörigkeit und Integration, Gefühle des Ausgeschlossen seins und der Isolierung. Der Wunsch nach Autonomie liegt im Widerstreit mit der Sehnsucht nach Intimität. Dem Ausgefüllt sein im beruflichen Alltag folgt das Feere-Gefühl am Wochenende. In der Single-Existenz scheint sich die ganze Zerrissenheit der modernen Gesellschaft wie in einem Brennpunkt widerzuspiegeln. Das Ideal von romantischer Liebe, harmonischer Familie und glücklichem Leben der Generationen ist auch bei Singles tief verwurzelt. Ihr Alleinleben bewerten viele als einen möglichst schnell zu behebenden Mangel, mitunter sogar als einen Makel. Wir leben keines weges in einer Single-Gesellschaft. Unsere Gesellschaft ist und bleibt – zumindest vorerst – eine Paar-Gesellschaft. Was sich verändert hat, ist die Struktur der Zweier-Beziehungen in ihrer Vielfalt und in ihrer zeitlichen Dimension.

Singles kommen zu Wort
Die WAZ – die größte Regionalzeitung im Ruhrgebiet – hatte im Frühjahr 7 997 eine Serie über Single im Ruhrgebiet gestartet. Eine Fülle an Zuschriften ging daraufhin bei der Redaktion ein. Hier einige ausgewählte Beispiele:

Wochenende ist schlimm
jeder Single, der erzählt, er wäre gerne allein, sagt meiner Meinung nach nicht die Wahrheit, schreibt Martina R. (34) aus Essen. Man will es sich und den anderen wohl einfach nicht eingestehen, dass man sich so manches Mal einfach tierisch einsam fühlt. Am Wochenende ist es am schlimmsten, es gibt dann nichts Schlimmeres als schönes Wetter.

Langeweile unbekannt
Gisela W. (61) aus Gelsenkirchen hat es nie bereut, nicht geheiratet zu haben. Niemand sagt mir, welches Fernsehprogramm angeschaut wird. Ich esse, wenn ich hungrig bin und schlafe, so lange ich will – seit ich Rentnerin bin. Langeweile kenne ich nicht. Meine vielseitigen Interessen füllen mich voll aus, außerdem habe ich viele Freunde und zwei Katzen.

Kein Ärger, kein Stress
Udo N. aus Oberhausen schreibt: Single bin ich, weil ich meine Ruhe haben will. Kein Ärger, kein Stress, ich kann aus meinem Bauch raus leben. Ich bin im Besitz einer Jahreskarte vom Bökelberg, spiele selbst noch aktiv Fußball und besuche viele Rockkonzerte. Ab und an mal ein One-Night-Stand, mir gefällt’s. Hin und wieder sehe ich mal Bekannte aus jungen Jahren, entweder geschieden oder sie beneiden mich.

Manchmal hält man sich für überflüssig Im Ballungsraum Ruhrgebiet ist das Single-Dasein sicher leichter ‘zu ertragen als auf dem Lande, schreibt der Mülheimer Christian F. (29). Seine Single-Bilanz: Ich komme zwar ganz gut zurecht und kann mein Leben angenehm und abwechslungsreich gestalten, würde aber doch einer festen Beziehung den Vorzug geben. Der Hobby-Leistungssportler schätzt es, sich bei all seinen Aktivitäten nicht einschränken zu müssen. Aber da ist dann eben auch der schwerwiegendste Nachteil des Single-Lebens, nämlich die Tatsache, dass man die zahlreichen positiven und negativen Erlebnisse mit keinem
Partner teilen kann. Das verursacht oft ein Gefühl der Einsamkeit und Leere. Gelegentlich hält man sich für regelrecht überflüssig.

Niemand wartet zu Hause auf mich
Hans-Peter R. (34) aus Bottrop ist seit rund drei Monaten
Single – ganz und gar nicht gerne.
Für mich ist es zum Teil ein unerträglicher Zustand. Ich war eigentlich noch nie alleine. Nicht, dass ich ein Super-typ bin, nein. Aber ich war immer mit einer Frau zusammen, mit der ich einen Lebensabschnitt gelebt habe. Inzwischen lebe ich in einer 40qm-Wohnung allein. Ich komme nicht darüber hinweg, allein zu leben. Für mich bedeutet das Einsamkeit in allen Belangen. Vor allem, wenn man nach Hause kommt und niemand ist da, mit dem man reden kann über Dinge des alltäglichen Daseins. Ich hoffe, dass mein Single-Dasein nicht mehr lange anhält und ich wieder eine Partnerin finde.

Selbst ist die Frau
Eine Beziehung ist zerbrochen – auch für Josefa W. (41) aus Dülmen war es am Anfang sehr schwer, meinen Weg wieder allein zu finden. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen, aktiv zu werden – und mein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sind damit enorm gestiegen. Allerdings: Zu zweit oder mit mehreren Leuten macht vieles halt mehr Spaß, bekommt man mehr Anregungen. Sport, Kino, Urlaub oder auch Tanzen – die Sehnsucht, den Partner zu finden, der mit einem den Lebensweg teilen will, bleibt eben doch.

Freiheit statt fester Bindung
Ich lebe solo eigentlich ganz gut und möchte meine Freiheit behalten, schreibt Stephanie A. (23) aus Bottrop einerseits. Andererseits: Wenn ich in Filmen sehe, wie da zwei Menschen glücklich zusammen sind, beneide ich sie. Das Fazit der jungen Frau: Aber man kann eben nichts im Leben erzwingen, es ist alles Schicksal.

Als Freiwild betrachtet
Den Vorteil des Single-Lebens beschreibt Gudrun B. aus Hattingen so: Ich stelle meine Füße auf den Tisch, wann immer ich Lust dazu habe. Aber: Manchmal ein Paar Männerfüße daneben, das wäre auch nicht schlecht. Die Erfahrung der Frau: In der angeblich aufgeschlossenen Gesellschaft wird frau immer noch als Freiwild betrachtet. Das ist zu spüren, wenn frau mal alleine auf ein Glas Wein in eine Kneipe geht. Erst sitzt sie am Katzentisch, wo alle glotzen und anschließend gehts in ‘s Parkhaus, um das Auto zu holen – ich trau mich erst gar nicht. Und auch die Erfahrung hat sie gemacht: Wer hübsch und gescheit ist, wird als Single auch von Ehepaaren nicht gerne eingeladen.

Zweimal Knuddeln
Sylvia S. (69) aus Bochum war über 43 Jahre verheiratet, als ihr Mann starb. Nach einem Jahr habe ich festgestellt, es gibt nichts Schöneres, als Single zu sein. Kannst tun und lassen, was du liebst, Shopping oder tanzen gehen, Reisen machen, den Garten gestalten. Und einen Freund zum Knuddeln gibts auch – aber nur zweimal die Woche.

Häufiger Frust bei der Jagd nach Liebe Früher versuchte ich, der Liebe nachzujagen. Ergebnis: frustrierend. Das ist die Erfahrung von Doris C. aus Essen. Heute genießt sie ihre Unabhängigkeit oder auch Geselligkeit im Kreis von Freunden. Die Essenerin: Ich habe meine Erfahrungen mit flüchtigen Abenteuern als Geliebte und mit Lebensabschnittspartnern gemacht. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Ehe wie ehähnliche Beziehung im herkömmlichen Sinn nicht mehr funktionieren. Vielleicht kann ja eine neue Form von Beziehungen gefunden werden.