Single – eine wichtige Zwischen-Zeit – heiraten oder nicht

Single – eine wichtige Zwischen-Zeit – heiraten oder nicht

Single – eine wichtige Zwischen-Zeit – heiraten oder nicht
Die meisten Singles sind keine geborenen Solisten pur. Ihre Lebensform ist selten Lebenskonzept, eher Zwischen- Zeit: Zeit zwischen der Abbindung von bisherigen Einflusswelten wie Elternhaus oder Clique und der Anbindung an neue Beziehungswelten wie Freundschaft oder Ehe. Junge Leute tun gut daran, zwischenzeitlich eine Phase des Allein seins einzulegen. Die eigene Bude kann dabei zum Einübungsfeld von Selbststand, Unabhängigkeit und Eigeninitiative werden. In der eigenständigen Bewältigung anfallen-der Probleme und Schwierigkeiten, Krisen und Nöte können Selbstbewusstsein und Selbstachtung wachsen. In diesem Sinne kann das Single-Dasein zu einer guten Vorbereitungszeit für eine spätere Liebesbeziehung werden.

Ähnliches gilt auch für die Zeit nach einer gescheiterten und zerbrochenen Beziehung. Für viele junge Leute ist eine solche Trennung ein einschneidendes Erlebnis. Dann ist eine ausreichende Zeit des Alleinseins wirklich lebensnotwendig. Wenn eine Beziehung zerbricht, zerbrechen mit ihr auch so manche Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen. Trauer und Enttäuschung, gelegentlich auch Verbitterung und Zorn bleiben zurück und müssen aufgearbeitet werden. Auch die eigenen Anteile am Scheitern der Beziehung wollen in den Blick genommen werden. Nicht zuletzt gilt es, persönliche Kränkungen und Verletzungen auszuhalten und durchzuleiden. Das alles braucht seine Zeit. Wer in einer solch heil-losen Lebenssituation voreilig das Heil in einer neuen Beziehung sucht, wird sich und den Partner bzw. die Partnerin dabei heillos überfordern.

Das vorübergehende Single-Dasein kann die erforderliche Distanz zur alten Beziehung herstellen. So schwer es auch fällt, letztlich geht es um eine Aussöhnung mit diesem Artikel, das nachhaltig und ganz wesentlich zur jeweiligen Lebensbiographie der betroffenen Menschen gehört. Wo diese Trauerarbeit in aller Redlichkeit geleistet wird, können sich mit der Zeit – oft ganz unverhofft – Wege zu neuen Beziehungen eröffnen.

Mit den Menschen ist es wie mit Grundstücken: Manchmal ist eine Goldader darin, und der Besitzer weiß von nichts.

Ausblick – heiraten oder nicht
Stefan Hradil, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, wagt den Blick in die Zukunft (Die Single-Gesellschaft, München: C.H. Beck 1995):
➤ Die Zahl der Alleinlebenden wird weiter steigen, ihr Zuwachs jedoch langsamer verlaufen, da nachwachsende Jahrgänge bei weitem kleiner ausfallen. Im Jahr 2010 wird der Anteil der Singles auf (max.) 9,5 Prozent steigen. 30 Prozent der 25- bis 35-Jährigen werden dann allein leben.
➤ Die Zahl weiblicher Singles wird so lange weiter ansteigen, wie Kindertagesstätten, Ganztagsschulen usw. fehlen.
➤ Singles fordern mehr Wohnraum und grenzen damit ihren eigenen Zuwachs ein.
➤ Statt Einkommen und beruflicher Stellung wird Lebensqualität wichtiger. Es entstehen weniger Ungleichheiten zwischen Erwerbstätigen, dafür mehr Randgruppen – auch unter den Singles. Schon heute findet man bei männlichen Singles nicht wenige Problemexistenzen, besonders bei jenen ohne feste Partnerschaft.
➤ Mehr Freizeit und Wohlstand erhöhen die Freiheit der Lebensgestaltung; mehr Menschen wollen Single sein, um diese Möglichkeiten auszukosten.
➤ Immer mehr Menschen werden besser ausgebildet sein, und damit wächst der Wunsch nach individueller Autonomie.
➤ Singles werden sich letztlich in Lebensstil und Einstellung immer weniger von anderen unterscheiden.