Personale Sexualität als körperlicher und seelischer Empfindungen – Gründe fürs Heiraten

Personale Sexualität als körperlicher und seelischer Empfindungen – Gründe fürs Heiraten

Personale Sexualität als körperlicher und seelischer Empfindungen – Gründe fürs Heiraten
Sexualität ist eine zentrale Schnittstelle körperlicher und seelischer Empfindungen (wie auch Empfindlichkeiten). Der Mensch ist sexuelles Wesen, von seiner Geschlechtlichkeit her entscheidend geprägt und bestimmt in all seinem Denken und Fühlen, Handeln und Tun, Sehnen und Sorgen. Sexualität umfasst die gesamte menschliche Existenz; sie ist zentraler Ausdruck der Persönlichkeit von Mann und Frau. Sie kennzeichnet ihre Individualität und dient im wahrsten Sinne des Wortes ihrer Selbst-Verwirklichung. Will der Mensch zu seiner Identität, zu seinem Selbst gelangen, muss er sich in seinem Körper heimisch, zu Hause, einfach wohl fühlen. Dann kann er auch seine Potenz zur Entfaltung bringen.

Zugleich öffnet Sexualität den Menschen, lässt ihn seine Grenzen überschreiten, führt ihn aus der Gefahr der Ich-Bezogenheit heraus und verweist ihn auf den anderen bzw. die andere. In der Sexualität, vor allem in den Augenblicken der Ekstase, ist der Mensch außer sich, übersteigt er sich selbst und findet darin seine Erfüllung. In diesem Sinne ist Sexualität immer auch auf Selbst-Überschreitung angelegt. Der Mensch definiert sich in seiner Beziehung zu anderen: Lust, Glück, Sinn sind stets sozial bezogen.

In den vielfältigen Liebessignalen, die die Liebe zweier Menschen sichtbar, hörbar, riechbar, greifbar, sozusagen glaubhaft erfahrbar machen, müssen immer beide Dimensionen der Sexualität ihren Ausdruck finden: die individuelle Erfüllung wie die partnerschaftliche Hingabe. Sexualität gibt und fordert ein. In dieser Gegenseitigkeit wird Sexualität zum Ausdruck personaler Liebe.

War menschliche Sexualität bis vor nicht allzu langer Zeit eindeutig und unmissverständlich auf Fortpflanzung ausgerichtet, so ist sie heute in ihrer Sinnvielfalt mehrdeutig. Sexualität, die den ganzen Menschen meint, ist nur in ihren vielfältigen Sinnaspekten zu erfassen. Dazu zählen Identität, Beziehung, Zärtlichkeit und Lust sowie nach wie vor Fruchtbarkeit bzw.

Nachkommenschaft. In dieser Vielfalt und Vielschichtigkeit schafft Sexualität Leben – im Doppelsinn des Wortes. Sie hält die Beziehung zwischen den Liebenden lebendig und schenkt neues Leben, indem sie die Liebe fruchtbar werden lässt im Kind.

In der Sexualität junger Erwachsener wird dieser zweite Teilaspekt der Fruchtbarkeit vorerst noch zurückgestellt. Aber alle anderen Sinnaspekte kommen – bei einem verantwortungsvollen Umgang junger Paare miteinander – bereits zur Geltung. Wo Sexualität zu einem solchen Stellenwert gelangt, können junge Menschen zu ihrer weiblichen oder männlichen Identität finden und in ihrer (sexuellen) Beziehung wechselseitige Ergänzung und Erfüllung erfahren. Auf diesem Hintergrund stellt sich stärker denn je die Frage einer ethischen Neubewertung vorehelicher Sexualität – auch und gerade angesichts der dramatischen Veränderungen in den Lebensläufen und Lebenssituationen junger Menschen.

Wer den Wert menschlicher Sexualität in seiner Sinnvielfalt und Mehrdeutigkeit für sich und den Partner entdecken lernt, der wird wohl auch für sein Verhalten bestimmte Spielregeln, also Normen anerkennen. Sie verstehen sich heute weniger im Sinne früherer Verbotsschilder, eher als aktuelle Hinweisschilder. Sexualität, die nicht so sehr an Formen und Vorschriften, vielmehr an Werten und Inhalten gebunden ist, stellt die Menschen unter weitaus höhere Ansprüche und unter größere Verantwortlichkeiten. Die Aneignung und Umsetzung der für richtig und wichtig erkannten Werte und Werthaltungen tragen ganz entscheidend dazu bei, Sexualität positiv zu erleben und kreativ zu gestalten – vor und in der Ehe.

Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit;
das ist der Grund,
weshalb die meisten Menschen
sich vor ihr fürchten.