Kontaktfreudig und doch einsam – Gründe fürs Heiraten

Kontaktfreudig und doch einsam – Gründe fürs Heiraten

Kontaktfreudig und doch einsam – Gründe fürs Heiraten
Singles sind meist alles andere als Beziehungsmuffel. Sie halten Kontakte zu Eltern und Geschwistern und investieren eine Menge Zeit und Energie zur Aufrechterhaltung ihres Freundes- und Bekanntenkreises. Weil viele von ihnen einen Partner suchen, bewegen sie sich in ihrer Freizeit bevorzugt unter Menschen. Statistisch gesehen haben sie fast ebenso viele Freunde (durchschnittlich 5,8) wie Ehepaare (6,9). Dabei ist ihr Bekanntenkreis jedoch um vieles größer, ihr Beziehungsnetz bei weitem ausgedehnter, ihre Kontakte und Begegnungen nach Feierabend und am Wochenende zahlreicher und vielfältiger, allerdings auch oberflächlicher und unverbindlicher.

Es scheint ein Paradox unserer Zeit zu sein: Je mehr Menschen sich auf die Ballungszentren unserer Großstädte konzentrieren, desto vereinzelter und allein gelassener fühlen sie sich. Masse macht einsam – unter Tausenden und Abertausenden geht der Einzelne unter. Er zieht sich zurück in sein Ein-Personen-Appartement und fühlt sich von Gott und der Welt verlassen. Die Anonymität der Großstädte hat nicht nur Vorteile; ihre Begleiterscheinungen sind Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit in den Beziehungen. Smalltalk ist angesagt – Hallo und Wie gehts?. Wir zappen uns von Begegnung zu Begegnung: schalten ein, schalten ab, schalten aus. Die Fülle an Kontakten – ein weiteres Paradox – hinterlässt eine große innere Leere. Ausgefüllte Zeit ist noch längst nicht erfüllte Zeit.

Wenn alles dich einlädt,
das ist die Stunde,
wo dich alles vedäßt.
Hilde Domin

Das Hauptproblem der vermeintlich so kontaktfreudigen Singles ist die Vereinsamung. Fast jeder zweite Single kennt das Gefühl der Ausgrenzung und des Ausgeschlossen seins. Unter befreundeten Paaren fühlen sie sich als 5. Rad am Wagen. Ein Viertel aller Männer und fast die Hälfte aller Frauen erleben sich am Wochenende wie in einem goldenen Käfig gefangen. Wenn all die glücklich Verheirateten angeblich im Schoß der Familie ausruhen, überfällt den Single eine innere Unruhe: Wohin mit ihm? Einsamkeit, so die Psychologin Eva Jaeggi, ist für alle Singles zentral – ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht.

Was sind die häufigsten Probleme von Singles?
➤ Vereinsamung; Gefühl, ausgeschlossen zu sein; 5. Rad am Wagen 34,2 %
➤ Intoleranz, Kompromisslosigkeit, Anpassungsunfähigkeit, Egoismus 11,7 %
➤ Man hat niemanden, mit dem man Probleme teilen kann 9,2 %
➤ Komplexe, Kommunikationsprobleme 6,1 %
➤ auf (Familien-) Festen ohne Partner 5,8 %
➤ wenig Sex, Zärtlichkeiten, Angst vor Aids 4,4 %
➤ Freizeit-/ Urlaubsgestaltung 4,3 %
➤ Geldpröbleme 4,2 %
➤ Angst vor zukünftiger Einsamkeit 3,3 %
➤relativ geringe Akzeptanz als Single in der Gesellschaft, Verkupplungszwang, Rechtfertigungszwang 2,7 %
➤ Angst, nie einen Partner zu finden 2,3 %
➤ zu großer Selbstverwirklichungstrieb 2,1 %
➤ Angst vor Bindung 1,9 %
➤ andere Gründe: 7,8 %
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Freizeit-Forschung